Zamanand-Festival schließt PazifistInnen aus – unter Verweis auf „Antisemitismus“

Statement der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe zum Ausschluss der DFG-VK München vom Straßenfestival „Zamanand“ in München 20./21.06.2026

Die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München erklärt ihre volle Solidarität mit der DFG-VK München und verurteilt deren Ausschluss vom Straßenfestival „Zamanand“ im Juni 2026.

Die Ausladung einer Organisation, die seit Jahrzehnten konsequent für Gewaltfreiheit, Abrüstung und friedliche Konfliktlösung eintritt, stellt einen schwerwiegenden Vorgang dar. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Entscheidung offenbar nicht auf Grundlage konkreter Verstöße oder nachvollziehbarer Kriterien getroffen wurde, sondern als Reaktion auf politischen Druck. Wenn bereits die bloße Möglichkeit kontroverser Debatten ausreicht, um zivilgesellschaftliche Akteure von öffentlichen Veranstaltungen auszuschließen, gerät die demokratische Kultur unserer Stadt in Gefahr.

Als jüdisch-palästinensische Initiative wissen wir aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Räume für Dialog, Meinungsvielfalt und friedliche Auseinandersetzung offen zu halten. Demokratie lebt nicht von der Ausgrenzung unbequemer Stimmen, sondern vom respektvollen Streit unterschiedlicher Positionen. Wer pazifistische Organisationen ausschließt, um politische Kontroversen zu vermeiden, setzt ein fatales Signal und trägt zur Verengung des öffentlichen Diskurses bei. …

Hier lesen Sie das ganze Statement.

Medienmitteilung

München, 19.06.2026. Die DFG-VK München wollte mit einem Infostand zu den Themen Abrüstung und Kriegsdienstverweigerung am Zamanand-Festival am 20./21. Juni 2026 teilnehmen. Der Veranstalter lehnte die Teilnahme ab und begründete dies unter anderem damit, man prüfe Inhalte „besonders sorgfältig“, wenn diese „sensible politische Konflikte oder Antisemitismus berühren“. Hintergrund ist eine Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion vom August 2025, die der DFG-VK München unterstellt hatte, mit antisemitischem Bildmaterial aufgetreten zu sein, ein Vorwurf, den der Friedensverband mit einer ausführlichen Stellungnahme zurückgewiesen hatte und den die CSU-Fraktion danach nicht weiterverfolgte.

Veranstalter: keine Gleichsetzung, aber auch keine erneute Teilnahme

Auf Nachfrage erklärte Zamanand-Sprecher Manuel Schaumann gegenüber der DFG-VK München schriftlich: „Wir möchten klarstellen, dass wir Pazifismus nicht mit Antisemitismus gleichsetzen.“ Die Entscheidung stelle weder die friedenspolitische Arbeit der DFG-VK insgesamt noch ihr Recht auf eine friedenspolitische Positionierung infrage. Zugleich hielt der Veranstalter an der Absage fest und verwies auf „Erfahrungen aus früheren Diskussionen im Zusammenhang mit Ihrem Auftritt“, eine Formulierung, mit der erkennbar die CSU-Anfrage von 2025 gemeint ist.

Sprecher Thomas Rödl (DFG-VK Bayern) hält diese Argumentation für widersprüchlich: „Auf der einen Seite distanziert sich der Veranstalter von der Antisemitismus-Unterstellung der CSU. Auf der anderen Seite übernimmt er deren Logik trotzdem, indem er uns wegen genau dieser Vorwürfe ausschließt. Das ist keine Klarstellung, das ist ein Widerspruch in sich.“

Was hinter dem Konflikt steckt: die CSU-Anfrage von 2025

Im August 2025 hatte die CSU-Stadtratsfraktion in einer öffentlichen Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter behauptet, eine von der DFG-VK verteilte Protestpostkarte mit der Forderung „Waffenlieferungen an Israel? NICHT in meinem Namen“ enthalte „typischen antisemitischen Code“. Konkret wurde moniert, dass auf der DFG-VK-Webseite zeitweise „Lsrael“ statt „Israel“ geschrieben stand und dass eine abgebildete rote Hand an die Ermordung zweier Israelis im Jahr 2000 erinnere.

Die DFG-VK München widersprach in einer ausführlichen Stellungnahme vom 13. August 2025: Die fehlerhafte Schreibweise auf der Webseite sei ein bedauerlicher Tippfehler gewesen, der nach Bekanntwerden umgehend korrigiert wurde, auf der tatsächlich verteilten Postkarte habe der Fehler nie gestanden. Die rote Hand stehe in der Tradition der Antikriegsproteste gegen den Vietnamkrieg und solle als Stoppzeichen gegen Waffenlieferungen verstanden werden; eine Bezugnahme auf die genannte Gewalttat sei der DFG-VK vorher nicht bekannt gewesen und keinesfalls beabsichtigt. Nach dieser Stellungnahme verfolgte die CSU-Fraktion das Thema nicht weiter.

Co-Sprecherin Maria R. Feckl ergänzt einen handfesten Fakt aus der Praxis: „Die Polizei hat unsere Postkarte beim Festival 2025 dreimal kontrolliert und uns jedes Mal bestätigt, dass es inhaltlich keine Beanstandung gibt. Wer trotzdem weiter von Antisemitismus spricht, sollte erklären, worauf sich das stützt.“

Kein Sicherheitsvorfall in über zehn Jahren

Der Veranstalter begründet seine Entscheidung auch mit der „Sicherheit“ und dem „konfliktarmen Ablauf“ der Veranstaltung. Thomas Rödl weist das zurück: „Wir präsentieren unser Informationsmaterial und laden Besucherinnen und Besucher zum Gespräch ein. Das geschieht seit über zehn Jahren Beteiligung am Zamanand- bzw. Streetlife-Festival höflich und respektvoll, ohne einen einzigen sicherheitsrelevanten Zwischenfall. Welche konkrete Gefahr von unserem Stand ausgehen soll, bleibt das Geheimnis des Veranstalters.“

Grundsatzkritik: Wer entscheidet, was „sensibel“ ist?

Die DFG-VK sieht in der Begründung des Veranstalters ein grundlegenderes Problem. Rödl: „Natürlich berühren unsere Inhalte sensible politische Konflikte. Wir wenden uns kritisch gegen Militärlogik und Aufrüstung, und das ist umstritten. Aber genau dazu ist eine Demokratie da: Kontroverse Positionen müssen öffentlich vertreten werden dürfen. Wenn ein Veranstalter sich anmaßt, vorab festzulegen, welche politischen Themen öffentlich verhandelt werden dürfen und welche nicht, schränkt das genau den offenen Diskursraum ein, den sich das Festival selbst auf die Fahnen schreibt.“

Die DFG-VK kritisiert die israelische Regierungspolitik nach eigener Darstellung vom Standpunkt des Völkerrechts und der Menschenrechte aus und nicht aus antisemitischen Motiven. Der Verband betont, dass seine Materialien und Aktionen durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind, und fordert den Veranstalter auf, Vorwürfe künftig konkret zu benennen und direkt mit der DFG-VK zu klären, statt sich auf pauschale Verweise auf „frühere Diskussionen“ zurückzuziehen.

Pressekontakt

Thomas Rödl, Geschäftsführer DFG-VK Bayern
Tel. 089 89 62 34 46

Maria R. Feckl, Co-Sprecherin Gruppe München / Sprecherin Landesverband Bayern
Mobil 0160 9750 2028

Die PazifistInnen – Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Landesverband Bayern und HMV-Bildungswerk

Geschäftsführer: Thomas Rödl · Frauenlobstr. 24 Rückgebäude, 80337 München · Bürozeiten Mo–Do 13–17 Uhr Internet: www.dfg-vk-bayern.de